Es gibt die offizielle Version: „2003 gegründet, stetiges Wachstum, heute der führende Anbieter für Etiketten und flexible Verpackungen im Digitaldruck.“
Und es gibt die echte.
Die erzähle ich euch jetzt selbst. Sie fängt mit einem Amiga 500 an.
Nächte in der Druckerei, früh wieder in der Schule
Ich bin Grafiker, Mediengestalter – wie auch immer man es nennen will. Schon als Kind hat mir mein Papa nach ausgiebigem Drängeln einen Amiga 500 geholt (mit 2 MB Speichererweiterung für 1000 Mark!). Meine Mutter hat dann geschimpft: „Der kriegt viereckige Augen“. Sie hatte nicht ganz Unrecht - zumindest sind sie nicht besser geworden.
Mitte der 90er hatte ich eine der ersten Websites in unserem sagenumwobenen Landkreis Wunsiedel. Eines Nachts schrieb mir ein Ex-Wunsiedler aus Houston: „Endlich ist mal jemand aus Wunsiedel online“.
Ferienarbeit in der Porzellanfabrik war nichts für mich - nach dem ersten Tag mit 9 Stunden Akkord-Arbeit habe ich gekündigt! Und direkt bei einem Familienfreund in Frankfurt Bergen-Enkheim in der Litho mit der Montage von Filmen für diverse Kataloge begonnen. Für meinen Workflow im gleichzeitigen Benutzen von Belichter, chemischer Entwicklungs-Maschine und der Montage per Hand hat sich schnell herumgesprochen. Nach zwei Wochen und einer Baumann-Hausmesse in Offenbach war ich mit dem Virus der grafischen Industrie infiziert.
Dann kam ich durch die Schülerzeitung, die ich professionell in MS Word gesetzt habe, zur Druckerei Späthling in Weißenstadt. Nachmittags, abends, nachts in der Vorstufe, und früh wieder in die Schule. Die 12. musste ich deshalb (hatte keine Zeit) wiederholen und kann deshalb von mir sagen, dass ich einer der wenigen bin, der gleich zwei Abizeitungen gebaut hat. Damals noch in meinem geliebten QuarkXPress 3.32.
So ging es dann munter weiter. Ausbildung ohne Schulbesuch (damals gab es keine Computer in der Berufsschule und was wollte ich dann dort?) - unterbrochen durch die Bundeswehr, weil Abi schon als abgeschlossene Ausbildung zählt - und dann gab es meinen Lehrberuf nicht mehr... Die Abschlussprüfung durfte ich noch schreiben und bin noch etwas exotisches: Der letzte Werbe- und Medienvorlagenhersteller in Bayern (danach war's der Mediengestalter... mit Computer).
2003 kam die Selbständigkeit. Die Biohealth in Münchberg braucht mich als Freelancer-Grafiker, parallel baut sich ein eigenes Geschäft mit Böhm + Partner in Lauf auf... Briefbogen, Visitenkarten, Imagebroschüren (gabs mal), Faltschachteln, Etiketten, Bücher, Kinderbücher, Museumskataloge, vhs-Programme, Etiketten, Etiketten, Websites, Bestellformulare, Etiketten, Etiketten, Etiketten... aber:
Das eigentliche Problem: Keiner wollte mich
Also: Keiner wollte meine Aufträge... Ich habe Etiketten für meine Kunden gestaltet und dann gemerkt, dass ich sie auch irgendwo bestellen muss. Klingt einfach. War es aber nicht. Denn sie sollten auf Rolle sein, dass wir automatisch etikettieren konnten. Die ersten Inkjet-Direktdrucker waren Mist. Also auf die Pirsch:
Den ersten Partner gefunden: 500 Stück bestellt, 100 haben gefehlt - Nachdruck. 800 bestellt, 300 bestellt... "hör auf mit dem Kleinmist!" Dann wieder 3.000 – das war OK. Die nächsten 500 – schon gab’s wieder Ärger. Irgendwann wollten mich die Lieferanten schlicht nicht mehr. Zu kleinteilig, zu aufwendig - und dann auch noch pünktlich...
Daher kam 2013 der nächste Schritt: die erste eigene "Druckmaschine". Ein modifizerter Epson-Office-Drucker. Leistung: 60 Zentimeter pro Minute - am Ende waren 3 davon rund um die Uhr im Einsatz.
Die Garage
Davor noch - in 2007 - haben wir uns den Traum vom Haus erfüllt. Ich dachte damals, ich werde mein Leben lang als Grafiker allein bleiben – also reicht eine kleine Doppelgarage als Büro daneben. Die reicht für immer und ewig... dachte ich zumindest.
Hat es nicht.
Zuerst war es nur die Garage. Dann kam der Dachboden dazu. Irgendwann haben wir die Tischfüße abgesägt, damit die Tische unter die Dachschräge passten. Dann standen zwei Drucker übereinander: in einem kleinen Regal. Vier Leute haben dort oben im Sommer gearbeitet. Neun Monate lang.

Der Output pro Kubikmeter war damals wahrscheinlich höher als heute.
Der Kuhstall
Eigentlich sollte jetzt der Bau der Druckerei beginnen. Also: Grundstück kaufen. Der Landwirt, dem es gehörte, wollte aber nicht. Stattdessen kam der Vorschlag: „Ich habe einen Kuhstall frei. Die Kühe sind raus, ich habe auf Biogas umgestellt. Den baue ich dir um.“

Ende vom Lied: Wir sind 2015 in einen umgebauten Kuhstall im Fichtelgebirge eingezogen.
Damals hießen wir noch Labels24. Ein Name, den heute kaum noch jemand kennt. Und ehrlich gesagt: Das ist auch gut so. 2019 haben wir uns in die Labelisten umgetauft. Nicht, weil uns der alte Name peinlich war, sondern weil wir irgendwann genau wussten, wer wir sind und wie wir auftreten wollen.
Was seitdem passiert ist
Wir sind ein bisschen gewachsen.

Von 38 auf 52 auf 73 auf 85 auf 95 Labelisten. Wir verdoppeln uns grob alle zwei Jahre. Nicht weil wir das geplant haben. Ich bin ehrlich gesagt kein großer Planer. Aber wir produzieren einfach weiter, und die Aufträge kommen.
Inzwischen steht kein Mähdrescher mehr neben unseren Druckmaschinen. Dafür haben wir im Nachbarort Thiersheim einen ehemaligen Metallbaubetrieb übernommen, renoviert und zur zweiten Produktionsstätte mit rund 2000 qm ausgebaut. Die Verpackung ist dort zuhause. Die Etiketten weiterhin im Kuhstall – jetzt mit einer HP Indigo V12 und ihren beiden "kleinen" Schwestern - den 6Ks.

Aus der Garage ist eine kleine Fabrik geworden.
Und was machen wir heute eigentlich?
Wir produzieren Etiketten und flexible Verpackungen. Aber eigentlich lösen wir ein ganz anderes Problem: Unsere Kunden brauchen oft keine großen Auflagen, sondern kleine bis mittlere Stückzahlen – schnell, flexibel und ohne großes Drumherum.

Genau da kommen wir her. Wir kennen das Problem, weil wir es selbst hatten.
Deshalb haben wir vieles anders aufgebaut: mit eigener Produktion statt Weitergabe, schnellen Reaktionszeiten und der Möglichkeit, auch kleinere Auflagen wirtschaftlich umzusetzen.
Wir machen das nicht, weil es gut klingt. Sondern weil es für uns die einzige Lösung war.
Dafür stehen wir
Wir sind nicht entstanden, weil jemand einen perfekten Businessplan hatte. Wir sind entstanden, weil etwas nicht funktioniert hat.
Und weil wir gegen die Denke sind: Massen bestellen = günstiger Stückpreis. Wir produzieren die Menge, die gebraucht wird - das ist dann zwar einen Ticken teurer, aber dafür muss auch nicht so viel weggeworfen werden.
Wir sind im stetigen Wandel. Wenn ein Prozess nicht passt, wird es passend gemacht. Nicht irgendwann, sondern jetzt.
Wir arbeiten ohne Mindestmengen, weil wir wissen, dass viele Projekte genau daran scheitern. Wir reagieren schnell, weil es oft schnell gehen muss. Und wir haben unsere Produktion selbst in der Hand, weil wir unabhängig bleiben wollen.
Wir wachsen nicht, weil wir wachsen wollen, sondern weil unsere Kunden wiederkommen. Und weil aus Projekten Partnerschaften werden.
Und jetzt?
Mitarbeiterin No 1 ist immer noch an Bord. Die Garage gibt es noch. Den Kuhstall auch. Nur das, was darin passiert, hat sich ein bisschen verändert.
Und ganz ehrlich: Wir sind noch lange nicht fertig.
Willkommen bei den Labelisten.
Wir freuen uns, dass ihr uns gefunden habt.
Und wenn Ihr Euch auch freut, haben wir unser Ziel erreicht.